Die Arbeit versteht sich als work in progress. Der Forscherkreis trifft sich zu regelmäßigen Forschungskolloquien. Die Ergebnisse dieser Kolloquien werden in einzelnen Beiträgen hier sukzessive veröffentlicht und zur Diskussion gestellt.

Veröffentlichungen

Der erste Lehrerkurs Rudolf Steiners: Schulungsgedanken für eine Verlebendigung des Denkens

Christian Boettger (2019)
Abstract:

Die hier vorliegende Betrachtung untersucht das Verständnis der Leiblichkeit, das von Rudolf Steiner in dem sogenannten ersten Lehrerkurs anlässlich der Begründung der ersten Freien Waldorfschule in Stuttgart vom 21. August bis 05. September 1919 in Vorträgen und Seminarbesprechungen entwickelt wird. Dabei soll gezeigt werden, dass die in diesem Kontext als Denkherausforderungen benannten Äußerungen Rudolf Steiners vor allem als Schulungsgedanken für eine Verlebendigung des Denkens und zur Entwicklung eines Denkens in Bildern oder eines ‚imaginativen Denkens‘ verstanden werden können, die die angehenden Lehrerinnen und Lehrer auf die Unterrichtstätigkeit vorbereiten sollten. Im Zentrum der vorliegenden Untersuchung stehen die Vorträge 10 bis 14 zur „Allgemeinen Menschenkunde“, deren Denkherausforderungen in Bezug auf den Leibbegriff herausgearbeitet werden.

Keywords: Allgemeine Menschenkunde, Denkherausforderungen, Erster Lehrerkurs, imaginatives Denken, lebendiges Denken, Leiblichkeit, Metamorphose, Steiner, Waldorfpädagogik

Der Wille als Beziehungskraft: Anmerkungen zu bewussten und unbewussten Formen dieser Kraft

Wilfried Sommer (2019)
Abstract:

Steiner charakterisiert in den anthropologischen Entwürfen der Allgemeinen Menschenkunde und des Heilpädagogischen Kurses den Willen als unmittelbare, gehaltvolle Regsamkeit und nicht als abstrakte Umsetzungsinstanz von Konzepten oder Ideen. Er nimmt eine ideenrealistische Position ein: Ideen könnten in äußerer Form produktiv erscheinen, der Wille als Beziehungskraft zeitigte gehaltvolle Bezogenheiten. Während Konzepte in abständiger Weise bewusst würden, bliebe die unmittelbare Willensentfaltung unbewusst. Anhand von Beispielen wird diskutiert, wie diese anthropologischen Überlegungen und spezifische Unterrichtskonzepte der Waldorfpädagogik einen einheitlichen Reflexionsrahmen aufspannen, um pädagogische Praxis zu fassen und inhaltlich auszuloten.

Keywords: Allgemeine Menschenkunde, Hegel, Heilpädagogischer Kurs, Ideenrealismus, Jaspers, phänomenologische Anthropologie, relationale Anthropologie, Schlaf, Spaemann, Steiner, Waldorfpädagogik, Wille

Der Leib als anverwandelte Welt und personaler Körper: Bemerkungen zur Beziehung von Ich und Leib

Wilfried Sommer (2019)
Abstract:

Steiner entwickelt in den anthropologischen Entwürfen der Allgemeinen Menschenkunde und des Heilpädagogischen Kurses den Leib als Träger der „Ich-Organisation“. Am Beispiel des Gehens wird vorgestellt, wie das Verhältnis zwischen der Schwere des Leibes und der „Ich-Organisation“ konkret gedacht werden kann. Dabei zeigt sich, dass die phänomenologische Anthropologie mit ihrer Unterscheidung zwischen Leib und Körper eine Brücke zur Steinerschen Position bildet. Außerdem wird das Wechselspiel zwischen Schwere und „Ich-Organisation“ im Gehirn diskutiert. Hier treten Parallelen zum Gehen auf. Die vorgestellten anthropologischen Positionen werden auf pädagogische Miniaturen der Schulpraxis rückgebunden.

Keywords: Allgemeine Menschenkunde, Gehirn, Heilpädagogischer Kurs, Körper, Leib, phänomenologische Anthropologie, Resonanzpädagogik, Schwerkraft, Steiner, Waldorfpädagogik, Wille