Die Arbeit versteht sich als work in progress. Der Forscherkreis trifft sich zu regelmäßigen Forschungskolloquien. Die Ergebnisse dieser Kolloquien werden in einzelnen Beiträgen hier sukzessive veröffentlicht und zur Diskussion gestellt.

Veröffentlichungen

Denkanregungen zur Dreigliederung und zur Metamorphosen-Lehre

Christian Schikarski (2026)
Abstract:

In diesem Aufsatz wird zur Vertiefung des Metamorphose-Themas aus dem 10. Vortrag der Allgemeinen Menschenkunde das Studium des dritten naturwissenschaftlichen Kurses vom Januar 1921 empfohlen. Die in diesem Kurs dargestellten Gedanken mit mathematischen Kurven und Funktionen werden als Erläuterungen für die menschlich-organische Gestaltungen entwickelt. Die mathematischen Betrachtungen zur Unendlichkeit und die Annäherungen an das Unendliche sowie das Prinzip der Umstülpung dienen in diesem Kurs als Vermittler bzw. Gleichnis, um Gedankenbrücken zu bauen für das formende Prinzip in den Lebewesen. Daran kann deutlich werden, wie nach Rudolf Steiner das Gesetzmäßige der Mathematik auf Übergänge vom Naturwissenschaftlichen ins Geistige hinweist.

Keywords: Allgemeine Menschenkunde, Cassini'sche Kurven, Dreigliederung, Formenreihe, Goethe, Heilpädagogischer Kurs, Metamorphose

1924 und die Entwicklung der Waldorfschule (Teil II)

Christian Boettger (2026)
Abstract:

In diesem zweiten Teil wird insbesondere auf die beiden Vortragszyklen Rudolf Steiners in Arnheim und Torquay im Sommer 1924 eingegangen. Gerade die Vortragsreihe in Torquay wirkt auf schon pädagogisch erfahrene Lehrpersonen erfrischend, sie werden bei ihren Sehnsüchten abgeholt nach einem geistigen Bezug des Lebens und der Erziehung und in dem Bedürfnis wirklich altersgemäß und frei initiativ wirken zu dürfen. Insofern könnte auch der Versuch gewagt werden, gerade mit diesem Zyklus in das Thema Waldorfpädagogik in der Lehrer:innenausbildung einzusteigen.

Keywords: 1924, drei Jahrsiebte, Elternarbeit, Erziehung zur Freiheit, Lehrerpersönlichkeit, Methodik/Didaktik, Pädagogenliebe, Selbsterziehung

1924 und die Entwicklung der Waldorfschule Teil I

Christian Boettger (2026)
Abstract:

Der erste von zwei Teilen beschäftigt sich mit Rudolf Steiners beiden Vortragsreihen in Stuttgart und Bern Ostern 1924 und ihren Entstehungsbedingungen. Dabei sollen drei Themen beispielhaft und gleichzeitig zusammenfassend hervorgehoben und kommentiert werden, die in diesem Zyklus auffallen: (1)Die gesundheitlichen Wirkungen verschiedener unterrichtlicher oder temperametbedingter Aspekte, (2) der Versuch die Menschen für ihr pädagogisches Tun zu enthusiasmieren durch die Darstellung großer auch kosmischer Zusammenhänge und )3) die unterschiedlichen Herangehensweisen in der Erziehung zur Freiheit in den drei Jahrsiebten.

Keywords: 1924, anthroposophische Pädagogik, drei Jahrsiebte, Erziehung zur Freiheit, Lehrerbildung, Methodik/Didaktik

Rudolf Steiners Versuche, die Lehrer:innenbildung an ein pädagogisches Leitbild anzunähern

Walter Riethmüller (2026)
Abstract:

Ausgehend von der These, dass für Steiner die zwischenmenschliche Beziehungsqualität das entscheidene Kriterium seiner Pädagogik ist, kann auch das zentrale Motiv für die Lehrer:innenbildung darin gesehen werden, sich beziehungsfähig zu machen. In seinen pädagogischen Vorträgen für das Stuttgarter Kollegium geht er häufig auf dieses Motiv ein. Dabei malt er ein möglichst facettenreiches Bild des Pädagogen aus, ein Bild, das er am 30. Januar 1916, gut drei Jahre vor der Schulgründung also, in einem Vortrag in seinen Grundzügen dargestellt hat. Grundierungen dieses Bildes lassen sich in der „Philosophie der Freiheit“ (1893) finden, ebenso auch Elemente des radikalen pädagogischen Programms von Max Stirner aus dem Jahre 1842; auch die Leitbilder der pädagogischen Provinz in Goethes „Wilhelm Meister“ dürften Steiners Verständnis von der Profession eines (Waldorf-) Pädagogen nachhaltig beeinflusst haben.

Keywords: Beziehungsfähigkeit, Goethe, Lehrerbildung, Lehrerpersönlichkeit, Menschenkunde, Philosophie der Freiheit, Selbsterziehung, Stirner

Die Dreigliederung des menschlichen Organismus als Träger eines dreifältigen Seelenlebens

Christian Schikarski (2023)
Abstract:

Kurze Ideengeschichte des Organismus Begriffs. Gefolgt von inhaltlichen Bestimmungen des Organismus, auch in Abgrenzung zum Mechanismus. Daran schließen sich Überlegungen zum Ursprung des Lebens und die Darstellung eines Dilemmas im Spannungsfeld zwischen Materialismus und Spiritualismus an. Beschreibung des Nerven-Sinnes-Systems, des Rhythmischen Systems und des Stoffwechsel-Gliedmaßen-Systems anhand der zugrundeliegenden Gestaltungsgesetze, Symmetrie und Spirale. Anhand einer kurzen Darstellung der embryologischen Herzentwicklung wird die Durchdringungsmetamorphose im Rhythmischen System entwickelt und als solche begründet. Anhand der physiologisch-anatomischen Befunde der drei Systeme wird ihr Zusammenhang mit wachem Bewusstsein, Traumbewusstsein und tiefem Unbewusstsein entwickelt und die Beziehung zu Denken Fühlen und Wollen untersucht

Keywords: Denken, Dreigliederung, Fühlen, Geschichte des Begriffs „Organismus“, Herzentwicklung, innere und äußere Physik, Mikrokosmos, Nervenfunktion, rhythmisches System, Sinnes-Nervensystem, Stoffwechsel-Gleidmaßen-System, Symmetrie und Spirale als Grundformen organischer Gestaltung, Verdauungsprozesse, Wollen

Das Verhältnis des Menschen zum Bildhaften

Christian Schikarski (2023)
Abstract:

Es wird das menschliche Bewusstsein als Gleichgewichtszustand zwischen verschiedenen Extremen geschildert. Anhand von Experimenten und deren Befunden wird gezeigt, wie eine Grenze beschrieben werden kann, die zwischen einer seelischen Innenwelt und einer durch die Sinne gegebenen Außenwelt resultiert. Daraus leitet sich eine mögliche Sichtweise ab, die sich durch die Betrachtung der Kunstrichtungen des Impressionismus und Expressionismus verdeutlichen lässt. Für die Behandlung von und der Umgang mit Bildern und Bildinhalten lassen sich dadurch Gesichtspunkte sinnvollen Verstehens und pädagogischen Handelns ableiten. Aspekt einer Physiologie der Freiheit.

Keywords: Ausnahme und Gesetzmäßigkeit, Bewusstsein, Eindruck und Ausdruck, Expressionismus, Halluzination, Impressionismus, Konstitution, seelische Innenwelt, sinnhafte Außenwelt, unbewusstes Seelenleben, Vision

Anthroposophie als Bewusstseinsform

Jost Schieren (2023)
Abstract:

In seinem philosophischen Frühwerk kritisiert Steiner die Begrenzung des vorstellenden Bewusstseins. Er befragt die Leistungsfähigkeit des Denkens. Im Anschluss an seine Goetheforschungen legt er dar, dass das gewöhnliche Denken (Vorstellen) die Welterscheinungen jeweils nur spiegele, aber deren ontologischen Gehalt nicht zu erfassen vermag. Er betrachtet das Vorstellen als ein im Bewusstsein erscheinendes Endprodukt, das weder um seine eigenen Ursprünge noch um die subtileren geistigen Qualitäten der Erscheinungswelt weiß. Steiner geht es aber um eine Selbsterfassung des Denkens als Vollzug und Prozess. Was bei Goethe die anschauende Urteilskraft ist, das wird in der Introspektion Rudolf Steiners zur seelischen Beobachtung. Während sich die phänomenologische Methode Goethes der Erscheinungswelt zuwendet, entwickelt Steiner, vor allem in „Die Philosophie der Freiheit“, eine Bewusstseinsphänomenologie.

Keywords: Aktivitäts- und Kraftseite des Denkens, anthroposophischer Schulungsweg, Bewusstseinsphänomologie, lebendige Begriffe, seelische Beobachtung, Vorstellungsbewusstsein

Denken und Wahrnehmen in der Sozialen Kognition – Zur Position Rudolf Steiners

Bernhard Schmalenbach (2022)
Abstract:

Rudolf Steiners philosophisches Werk, welches für die Begründung der Waldorfpädagogik eine zentrale Bedeutung hat, ist seitens der akademischen Philosophie bislang kaum bearbeitet worden. Dies gilt insbesondere auch für seine sozialphilosophischen Ideen zu den Fragen der Intersubjektivität, welche gegenwärtig auch unter dem Begriff Soziale Kognition diskutiert werden. Auch wenn sozialphilosophische Positionen in Steiners erkenntnistheoretischen Werken angelegt sind, wurden diese nicht systematisch ausgearbeitet, sondern bleiben fragmentarisch. Dies gilt auch für Ausführungen in anderen Schriften und in Vorträgen. Im folgenden Text wird Steiners Position anhand einer kurzen Passage im Anhang seiner Philosophie der Freiheit analysiert und in den Kontext zeitgenössischer Positionen gesetzt. Es wird gezeigt, dass Steiner die Möglichkeit einer Wahrnehmung fremden Denkens vertritt, welche jedoch nicht unmittelbar und nicht voraussetzungslos erfolgt, welche aber ein zentrales Element sozialer Kognition darstellt. Diese wird nicht nur propositional, sondern auch als Beschreibung des Vollzugs sozialer Wahrnehmung rekonstruiert. Schließlich befragt der Beitrag die Bedeutung dieser Konzeption im Hinblick auf soziale, pädagogische und therapeutische Aufgabenstellungen in Verbindungen mit Störungen der sozialen Interaktion, u.a. im Zusammenhang mit dem Autismus.

Keywords: Autismus, Direkte Soziale Wahrnehmung, Intersubjektivität, Mentalisierung, Phänomenologie des Bewusstseins, Psychopathologie, Rudolf Steiners Heilpädagogischer Kurs, Struktur des Dialoges, Theorien der Sozialen Kognition, Theory of Mind

Wahrnehmung und Ich-Prozess

Wolf-Ulrich Klünker (2022)
Abstract:

Die Einbeziehung der Todesschwelle gehörte für nahezu 2500 Jahre zu den Ausgangspunkten der wissenschaftlichen Psychologie. Entsprechende Andeutungen des Aristoteles in seinen „Büchern über die Seele“ wirkten bis in die wissenschaftliche Psychologie des 19. Jahrhunderts hinein. Verbunden war mit dieser Perspektive ein Begriff des leibschaffenden Denkens, die Rudolf Steiner in seinem „Heilpädagogischen Kurs“ indirekt aufgreift. Eine so begründete Anthroposophie und Anthropologie führen auf ein differenziertes Verständnis des Wahrnehmungsprozesses. Subjekt und Objekt werden so aufeinander bezogen, dass sich die menschliche Individualität nicht mehr im eigenen Ich isoliert. Ein Begriff des peripheren Ich kann die Welt enthalten, mit der sich der individuelle Mensch verbindet. In einer solchen Perspektive kann der Nervenprozess im Menschen als eine Repräsentanz der Welt im Menschen verstanden werden. Es zeigt sich, dass ein „erfülltes“ Erleben des äußeren Raumes ein „erfülltes“, mit der Umgebung verbundenes Innenerleben des Ich voraussetzt. Die „Tiefe“ des Raumes geht verloren, wenn der seelische Innenraum leer wird. Eine Wissenschaft, die auf solchen menschenkundlichen Grundlagen aufbaut, kann nicht einfach Gegenstände „an sich“ betrachten, sondern müsste die Entwicklung des Gegenstandsbereichs durch den Menschen einbeziehen.

Keywords: Analyse und Synthese, Begriff des Raumes, Forschungsmethode, Geistbegriff, Individualität, Isolation und Depression, Leib, Natur und Unter-Natur, Nerven, Seele, Subjekt und Objekt, Tastsinn, Todesschwelle, Wahrnehmung, Wissenschaftsgeschichte der Psychologie

Denken, Fühlen, Wollen (Wille und Vorstellung)

Wolf-Ulrich Klünker (2022)
Abstract:

Anthroposophie beruht wie jede nichtobjektivistische Psychologie auf der Selbsterkenntnis des erkennenden Menschen. Es ist keine Erkenntnisentwicklung ohne Selbstentwicklung des Erkennenden möglich; umgekehrt setzt die geistige Selbstaktivierung des erkennenden Subjekts einen Erkenntnisfortschritt im Objektbereich voraus. Aus einer solchen Beziehung von Subjekt und Objekt ergibt sich ein neuer Wissenschaftsbegriff, der die existentiellen und geistigen Grenzerfahrungen des Forschers impliziert. Die wissenschaftshistorische Methode des „Begriffsrealismus“ wird im „Heilpädagogischen Kurs“ Rudolf Steiners als Zugang zu der individuellen leibschaffenden Kraft des Denkens weiterentwickelt. Damit befreit sich das Bilden von Begriffszusammenhängen (also auch das wissenschaftliche Denken) aus der Abstraktheit; Begriff und Wirklichkeit verbinden sich in den individuellen Erkenntnisbemühungen. Die Beziehungen von psychischer und physischer Existenz werden in neuer Weise verständlich.

Keywords: Begriffsrealismus, Denken und Lebensprozesse, Der Begriff des Unbewussten, existentielles und geistiges Grenzerleben, Gefühlsbildung und Biografie, physische und psychische Existenz, Psychologie, Psychotherapie und Anthroposophie, Selbstgefühl und Weltbezug, Subjekt und Objekt