Ausgehend von der These, dass für Steiner die zwischenmenschliche Beziehungsqualität das entscheidene Kriterium seiner Pädagogik ist, kann auch das zentrale Motiv für die Lehrer:innenbildung darin gesehen werden, sich beziehungsfähig zu machen. In seinen pädagogischen Vorträgen für das Stuttgarter Kollegium geht er häufig auf dieses Motiv ein. Dabei malt er ein möglichst facettenreiches Bild des Pädagogen aus, ein Bild, das er am 30. Januar 1916, gut drei Jahre vor der Schulgründung also, in einem Vortrag in seinen Grundzügen dargestellt hat. Grundierungen dieses Bildes lassen sich in der „Philosophie der Freiheit“ (1893) finden, ebenso auch Elemente des radikalen pädagogischen Programms von Max Stirner aus dem Jahre 1842; auch die Leitbilder der pädagogischen Provinz in Goethes „Wilhelm Meister“ dürften Steiners Verständnis von der Profession eines (Waldorf-) Pädagogen nachhaltig beeinflusst haben.
Abstract: